RTR - Rundfunk & Telekom Regulierungs-GmbH

Neue Bottom Up Kostenrechnungsmodelle

Die traditionelle Sprachtelefonie steht vor einem bedeutenden technologischen Wandel. Im Zusammenhang mit Breitbandinternet und der Notwendigkeit neue Services statt dem bisherigen Erlösbringer Sprachtelefonie über Kommunikationsnetze anbieten zu müssen, arbeiten viele europäische Telekomanbieter an Plänen oder bereits am Aufbau von Next Generation Networks (NGN). Dieser technologische Fortschritt bringt auch Handlungsbedarf in der Berechnung der Entgelte der Zusammenschaltung in Fest- und Mobilfunknetzen, wobei der Fokus, vorgegeben durch die Europäische Kommission, auf den Terminierungs­entgelten liegt.

Bislang basierte die Entgeltfestsetzung für Terminierungsleistungen auf dem Kosten­rechnungsstandard der Long Run Average Incremental Costs (LRAIC), wo der Terminierung neben direkt zurechenbaren auch durchschnittliche, anteilige gemeinsame und Gemeinkosten hinzugerechnet wurden. Durch die „Empfehlung der Europä­ischen Kommission (kurz: EK) über die Regulierung der Festnetz- und Mobilfunk-Zustellungsentgelte in der EU“ vom 7. Mai 2009 kommt es hier zu einem Methodenwechsel (Pure-LRIC), der darauf abzielt, nur die reinen inkrementellen, verkehrsabhängigen Kosten, die aufgrund der Bereitstellung der Zusammenschaltung anfallen, zu berücksichtigen. Der Umbau des Netzes zu einem NGN und die Vorgabe des neuen Kostenrechnungsmaßstabes „Pure LRIC“ erfordert die Erstellung neuer Kosten­rechnungs­modelle, so­wohl für den Festnetz-, als auch für den Mobilfunkbereich. Den Kostenmodellen ist ein langfristiger Betrachtungszeitraum (Long Run) zu Grunde zu legen. Durch diesen Ansatz erhält man zu einer vorgegebenen Produktionsmenge (prog­nos­ti­zierte Nachfrage) die optimale Betriebsgröße (effiziente Netzgröße), wobei kurzfristig (sprung-)fixe Kosten als variable Kosten betrachtet werden.

Im Festnetzbereich wird bei der Festlegung neuer Entgelte wieder zwischen dem Accessnet und dem Corenet unterschieden. Die Trennung zwischen den beiden Netzen ist der Ort der ersten Konzentration des Verkehrs, wobei vom Teilnehmer bis zu diesem Ort das Accessnet und ab diesem Punkt das Corenet besteht.

Das Festnetzmodell wird das Kostenoptimum für ein effizientes Netz durch Berechnung verschiedener Szenarien, und damit iterativ, ermitteln. Aufgrund der vorhandenen Daten zur Nachfrage pro Hauptverteiler und um die Komplexität zu reduzieren geht man von einem Scorched-Node-Ansatz aus. Die bestehenden Hauptverteilerstandorte sind die Quelle und Senken der Nachfrage, sowie der Ausgangspunkt der Optimierung des Corenet.  Nachdem man heute nur schwer sagen kann, welche effiziente NGN-Technologie sich in der Praxis durchsetzen wird, werden die Modelle so flexibel wie möglich gestaltet sein.

Im Mobilfunkbereich wird sowohl Access- wie auch Corenet im Modell berücksichtigt, allerdings werden in Zusammenhang mit dem Kostenrechnungsstandard Pure-LRIC nur die kapazitätsgetriebenen Kosten („traffic related cost“) der Terminierung berücksichtigt. Das Bottom Up Modell wird so aufgebaut sein, dass in einem ersten Schritt auf Basis der Nachfrage das Accessnet und das Corenet gestaltet und dimensioniert wird. Auf dieser Basis erfolgen die Zuweisung der Systeme und die Ermittlung der Kosten. Gemäß der Empfehlung der EK wird ein hybrides 2G/3G-Netz modelliert, doch sind auch Szenarien wie ein reines GSM- oder UMTS-Netz möglich.

Basierend auf der oben erwähnten Empfehlung der EK hat die RTR-GmbH eine Ausschreibung zur Erstellung der Bottom Up Modelle zur Festlegung der Terminierungsentgelte durchgeführt. Nach ausführlichen Verhandlungen mit den Bewerbern ging der Zuschlag für beide Bottom Up Modelle an WIK Consult. Die RTR-GmbH freut sich mit WIK Consult zum wiederholten Mal einen kompetenten Partner mit professionellem Auftreten und viel Erfahrung im Erstellen von Kostenrechnungsmodellen gefunden zu haben.

Nachfolgend finden Sie wichtige Meilensteine, bei welchen die Mitarbeit der Betreiber ermöglicht oder auch gefordert wird. Dies betrifft vor allem die Konsultationsphasen und die Datenabfrage.

 

Termine KonsultationenDatenabfrage
06.10.2010 Konsultation des Referenzdokuments zur Spezifikation der Bottom Up Modelle Entsendung eines Fragebogens hinsichtlich technischer und wirtschaftlicher Inputwerte
12.10.2010 Präsentation der Modellspezifikation für die Marktteilnehmer 
03.11.2010 Abgabe der Kommentare zu den Referenzdokumenten
26.11.2010 Ende der um 3 Wochen verlängerten Antwortfrist zum Fragebogen

 

26.01.2011 Aufgrund der Konsultation modifizierte/adaptierte Referenzdokumente zur Spezifikation der Bottom Up Modelle 
14.04.2011 Präsentation der Entwicklungsergebnisse des Bottom Up Modells für Mobilfunknetze durch WIK Consult 
07.06.2011 Präsentation der Entwicklungsergebnisse des Bottom Up Modells für Festnetze durch WIK Consult 
Nov. 2011 Aktueller Stand Bottom Up Modell Festnetz
Es wird darauf verwiesen, dass es sich in den Screenshots nur um Beispielwerte handelt.
Aktueller Stand Bottom Up Modell Mobilfunknetz
Es wird darauf verwiesen, dass es sich in den Screenshots nur um Beispielwerte handelt.