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Digitale Ziele 2030 - Wo startet die Reise?

Die Europäische Kommission rief nun die Digitale Dekade aus. Mit einem digitalen Kompass soll bis 2030 die Digitalpolitik der Union souveräner, fairer und nachhaltiger werden. Aber wie sieht die Ausgangsposition aus?

Die vier Ziele sind klar: Kompetenzen, sichere und nachhaltige Infrastruktur, digitaler Wandel in Unternehmen und die Digitalisierung öffentlicher Dienste. Im Detail möchte die Kommission, dass bis 2030 mindestens acht von zehn Erwachsenen über grundlegende digitale Kompetenzen verfügen. Der Anteil an Frauen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie soll wachsen und gleichzeitig auf 20 Millionen Fachkräfte ansteigen.

Bis zu diesem Zeitpunkt sollen auch alle Haushalte in der EU über eine Gigabit-Anbindung verfügen und alle bevölkerten Gebiete mit 5G-Netzen versorgt werden. Jeder fünfte hochmoderne und nachhaltige Halbleiter weltweit soll in Europa hergestellt werden. In der EU sollten 10.000 klimaneutrale, hochsichere Randknoten aufgebaut werden und Europa sollte seinen ersten Quantencomputer haben.

Drei von vier Unternehmen sollen Cloud-Computing-Dienste, „Big Data“ und künstliche Intelligenz nutzen. Über neun von zehn der KMU sollten zumindest eine grundlegende digitale Intensität erreicht und die Zahl der Start-up-Einhörner in der EU sollte sich verdoppelt haben.

Bei der Digitalisierung öffentlicher Dienste sollten bis 2030 alle wichtigen öffentlichen Dienste online verfügbar sein. Alle Bürgerinnen und Bürger werden Zugang zu ihren elektronischen Patientenakten haben und 80 Prozent von ihnen sollten eine eID-Lösung nutzen.

Der digitale Kompass der Europäischen Kommission zeigt die vier Dimensionen Kompetenzen, Infrastruktur, Unternehmen und Verwaltung Quelle: Europäische Kommission.
Der digitale Kompass der Europäischen Kommission zeigt die vier Dimensionen Kompetenzen, Infrastruktur, Unternehmen und Verwaltung. © Europäische Kommission/European Commission

Der Status quo

Wie die Ausgangsposition rund zehn Jahre vor dem geplanten Ziel aussieht, sah sich der Nachrichtendienst Politico an (siehe PDF unten). Die Bandbreite grundlegender digitaler Kompetenzen bei Erwachsenen in der EU ist groß. Sie reicht von Schlusslicht Bulgarien bei rund 25 Prozent bis Spitzenreiter Niederlande mit etwas mehr als 75 Prozent. Das Zahlen betrachten das Jahr 2019, der Zielwert für das Jahr 2030 beträgt 80 Prozent. Mit rund 70 Prozent liegt Österreich auf Platz fünf. In sieben Staaten nahm sie im Vergleichszeitrum 2015 bis 2019 sogar ab; nämlich in Dänemark, Luxemburg, Estland, Ungarn, Lettland, Italien und Bulgarien. 

7,8 Millionen Menschen arbeiten in der EU im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) im Jahr 2019. Bis 2030 sollen es 20 Millionen sein, der Anteil an Frauen sollte deutlich gesteigert werden. 2019 lag dieser bei 18 Prozent, 2010 noch bei 23. Wobei dieser Wert 2011 einen Einbruch hatte und sich stetig erhöht. Den kleinsten Anteil an Frauen in der IKT-Branche gab es 2019 in Tschechien und Ungar, den höchsten im Baltikum und in Osteuropa. Hier führt Bulgarien die Wertung mit 28 Prozent.

Viel zu tun gibt es bei der digitalen Transformation von Unternehmen. Durchwegs im tiefen einstelligen Prozentbereich bewegen sich die Anteile der Unternehmen in den Staaten, die künstliche Intelligenz nutzen. Ein klein wenig besser sind die Werte bei Big Data-Analysen, die in einigen Staaten in bis zu jeder vierten Unternehmung eingesetzt werden. Nach Plänen der Kommission sollten drei von vier Cloud-Computing Dienste nutzen. 2020 wies diesen Wert nur Finnland auf, knapp gefolgt von Schweden und Dänemark. Schlusslichter sind Griechenland, Rumänien und Bulgarien, wo nicht einmal eines aus vier Unternehmen solche Services nutzte. Österreich rangierte bei allen Werten im Mittelfeld.

Wenn die Kommission bis 2030 Gigabit-Anschlüsse in jedem Haushalt fordert, so besteht vor allem in ländlichen Gebieten Aufholbedarf. 2020 waren 59 Prozent aller EU-Haushalte mit einem Anschluss mit mehr als 1 Gbit/s Bandbreite versorgt. Bei der 5G-Versorgung im Lebensraum der Menschen in der EU ist der Ausgangswert heuer 14 Prozent und soll in neun Jahren 100 Prozent erreichen.

Links

- Presseaussendung der Kommission
- Faktenseite der Kommission







22.03.2021