Newsletter RTR.Telekom.Post

  • Newsletter
    04/2022
  • Datum
    20.12.2022

Glasfaseranschlüsse in Österreich

Nach ihrer ersten Studie zu Internetanschlüssen über Glasfaser in Österreich aus dem Jahr 2018  wirft die RTR in ihrem aktuellen Bericht "Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen in Österreich"  erneut einen Blick auf die Verbreitung von Glasfaseranschlüssen in Österreich, dieses Mal mit Fokus auf Unterschiede bei der Nachfrage in der Geografie. Der Bericht wird demnächst unter www.rtr.at veröffentlicht.

Trotz kontinuierlicher Steigerungen bei Ausbau und Nutzung bleibt Österreich beim Glasfaserausbau im europäischen Vergleich hinter den meisten anderen Ländern zurück. Österreichweit stieg die FTTH-Take-up Rate (Anzahl aktiver Anschlüsse bezogen auf die Anzahl der verfügbaren Anschlüsse) in den letzten beiden Jahren zwar um 5%-Punkte auf 19% im 2. Quartal 2022 (siehe Abbildung 1), mit diesem Wert liegt Österreich aber im europäischen Vergleich nur an vorletzter Stelle. Woran liegt es, dass in Österreich die Nachfrage nach FTTH-Anschlüssen im Vergleich zum vorhandenen Angebot gering ist? Welche geografischen Unterschiede gibt es und warum? Welche Faktoren können diese Nachfragelücke in Bezug auf FTTH-Anschlüsse in Österreich erklären? Zur Beantwortung dieser Fragen wurden Gespräche mit FTTH-Anbietern geführt und geografische Daten zur Breitbandversorgung und -nutzung auf Gemeindeebene analysiert.

Ein Blick auf die bundesländerspezifischen Take-up Raten zeigt deutliche Unterschiede, die Bandbreite der Take-up Raten reicht dabei von 4% (Salzburg) bis 33% (Oberösterreich).

Quelle: ZIB
Abbildung 1: Entwicklung der FTTH-Take-up Rate in Österreich © RTR

Auch über die einzelnen Gemeinden hinweg sind die Take-up Raten sehr unterschiedlich und variieren zwischen nahe 0% und fast 100% (siehe Abbildung 2). Die meisten Gemeinden mit einer hohen FTTH-Take-up Rate finden sich in Oberösterreich und Tirol. In diesen beiden Bundesländern sowie in Niederösterreich und Wien finden sich auch viele Gemeinden mit einer mittleren Take-up Rate. In den Bundesländern Burgenland, Kärnten, Steiermark und Vorarlberg wurden die meisten Glasfasernetze erst relativ kürzlich errichtet und die Take-up Rate ist oft noch gering. Auch in Salzburg, wo eine sehr hohe FTTH-Abdeckung besteht, ist die Nachfrage nach FTTH-Anschlüssen in den meisten Gemeinden noch gering, da die meisten Gemeinden auch eine sehr gute Kabelnetzversorgung haben.

Abbildung 2: FTTH-Take-up Rate auf Gemeindeebene, Q4/2021 © RTR

Der Bericht zeigt, dass der wichtigste Faktor für die Unterschiede in der FTTH-Nutzung die parallele Versorgung mit alternativen Infrastrukturen bzw. die Qualität dieser Infrastrukturen ist. Die befragten Betreiber wiesen dabei besonders auf die Verfügbarkeit von Kabelnetzen hin, aber auch auf die Qualität des DSL-Netzes und manche Betreiber auch auf Mobilfunknetze. Auch in der quantitativen Analyse zeigen sich die Kabelnetzabdeckung sowie die durchschnittliche Bandbreite im DSL-Netz und im 4G-Netz als wichtigste Einflussfaktoren. Der (negative) Einfluss einer höheren Bandbreite im 4G-Netz ist dabei sogar noch größer als jener im DSL-Netz. Ein wesentlicher Einfluss von 5G konnte mit den derzeit vorhandenen Daten nicht beobachtet werden, ist aber in Zukunft zu erwarten.

Ein weiterer wesentlicher Faktor, der regionale Unterschiede in der FTTH-Take-up Rate erklären kann, ist das Engagement von Bürgermeister:innen bzw. Gemeindemitarbeiter:innen, um die Unterstützung der Bevölkerung für den Ausbau zu gewinnen. Dies ist tendenziell leichter in kleinen Gemeinden möglich. Soziodemografische Faktoren spielen eine vergleichsweise geringe Rolle. Laut Informationen der Betreiber hat die Wohnsituation (Haus vs. Wohnung bzw. Eigentum vs. Miete) und die Größe der Gemeinde einen bestimmten Einfluss auf die Nachfrage, in der quantitativen Analyse war am ehesten noch ein Einfluss der Altersstruktur zu erkennen. 
Erschwerende Faktoren, bei denen es jedoch keine großen regionalen Unterschiede gibt, sind laut Angaben der Betreiber die Aufwände der Nachfrager:innen für die Verlegung der Glasfaser über den eigenen Grund und die Bewerbung von hohen Bandbreiten in Mobilfunknetzen, die so in der Praxis nicht erreicht werden.

Die befragten Betreiber haben selbst schon mehrere Maßnahmen ergriffen, um die Take-up Rate in ihren Glasfasernetzen zu erhöhen. Dazu zählen etwa Precontracting, ein gestaffeltes Anschlussentgelt, das in der Ausbauphase niedriger ist, Informationsveranstaltungen, Inserate oder Aktionen in bestehenden Ausbaugebieten. Auch politische Maßnahmen zur Belebung der Nachfrage wie eine Förderung der Herstellung des Anschlusses wurden von einigen Betreibern gefordert. Auch wenn die gegenwärtigen Take-up Raten in den FTTH-Netzen niedrig sind, so wird im Allgemeinen von den Betreibern erwartet, dass sie mittel- bis langfristig ein Niveau erreichen, das einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglicht (von einigen Betreibern mit zumindest 50-70% angegeben).

Insgesamt zeigt die Analyse, dass der Glasfaserausbau und insbesondere die Erzielung einer ausreichend hohen Nachfrage, vor allem dort eine Herausforderung ist, wo parallele Netze bestehen, über die ebenfalls hohe Bandbreiten angeboten werden können. Da für die nächsten Jahre hohe Investitionen in den Ausbau weiterer Glasfasernetze in Österreich angekündigt wurden, ist noch mehr als in der Vergangenheit mit der Entstehung paralleler Festnetze zu rechnen. Zudem entfällt in Österreich ein wesentlicher Teil der Nachfrage nach "Home Broadband" auf mobiles Breitband. Vor diesem Hintergrund kommt der Bericht zu dem Schluss, dass die FTTH-Take-up Rate in Österreich wohl auch zukünftig hinter jener der europäischen Spitzengruppe zurückbleiben wird. Bei internationalen Vergleichen müssen solche länderspezifischen Faktoren jedenfalls berücksichtigt werden.

Autorin: Denise Diwisch


Gerne halten wir Sie am Laufenden!

Ich stimme der Verarbeitung meiner hier angegebenen E-Mail-Adresse laut den Bestimmungen zum Datenschutz ausdrücklich zu. Diese Zustimmung kann ich jederzeit widerrufen.