3.2.3 Tarife

Die am Markt befindlichen bzw. neu eingetretenen Netzbetreiber Mobilkom, max.mobil., Connect und tele.ring boten im Berichtszeitraum ähnliche Tarifstrukturen an, die im Wesentlichen auf vier Kriterien abstellten:

  • Unterscheidung zwischen viel und wenig telefonierenden Kunden durch Kombinationen von Grund- und Verkehrsentgelten
  • Dauer des Telefonats
  • Zeitpunkt des Telefonats
  • Ziel des Telefonats

Neben diesen Kriterien wurden, um den Marktanteil zu halten oder zu vergrößern, noch weitere Aktionen gesetzt. Beispielsweise wurden Kunden des Mitbewerbers Anreize geboten, den Betreiber zu wechseln, Endgeräte wurden subventioniert und kombinierte Angebote von Festnetz- und Mobil-Diensten wurden lanciert. Andererseits versuchten die Netzbetreiber eigene Kunden mit Punkte- und Prämiensystemen zu binden.

Um eine größere Durchdringung des Marktes zu erreichen und andere Familienmitglieder für das Mobilnetz zu begeistern, wurde die Partnerkarte intensiv beworben und es wurden spezielle Endgeräte und Tarife für Minderjährige angeboten.

 

 

 

Der im Oktober 1998 in den Markt eingetretene Anbieter Connect (Marke: ONE) stellte ein Tarifschema vor, das vor allem durch seine Übersichtlichkeit und durch einen günstigen Tarif für Anrufe ins Festnetz bestach.Die darin vorgesehene Tarifierung nach dem Gesprächsziel bundesländerabhängig zu gestalten stellte eine Neuheit für Österreichs Mobilnetztarife dar.

Die Kunden profitieren von einem dritten Anbieter durch einen verschärften Wettbewerb sowie innovative und kundenorientierte Preisgestaltung. Der Marktauftritt von tele.ring (April 2000) brachte eine weitere preisliche Wettbewerbsintensivierung. Zum einen bot tele.ring als einziges Unternehmen Inklusivminuten zum Paketpreis an. Zum anderen war bei Markteintritt ein deutliches Unterbieten der bereits etablierten Betreiber in den Aktivierungs- und Grundentgelten zu beobachten.

Während des gesamten Berichtszeitraumes subventionierten Netzbetreiber Endgeräte von Neukunden und verringerten damit die Einstiegshürde in den Mobilfunk. Dadurch gelang es den Betreibern, die Mobiltelefonie nicht nur für obere Einkommensschichten erschwinglich zu machen; „Handys“ wurden zu einem echten „Consumer product“. In letzter Zeit ist allerdings ein Umdenken hinsichtlich dieser Stützungspolitik zu beobachten, was insbesondere auch vor dem Hintergrund der Reifungsphase des Marktes zu sehen ist.

Gesamtmarktanteile nach Teilnehmern

Tariffs for calls from pre-paid accounts to other mobile networks

Tariffs for calls to one's own network

Tariffs for calls to other mobile networks

Im Prepaid-Bereich änderten sich die Preise kaum, wohl aber die Produktdifferenzierung. Mobilkom ließ in der Berichtsperiode sowohl ihre beiden Tarifmodelle – B-Free Classic und B-Free weekend – als auch deren Tarife unverändert.

max.mobil. änderte den Namen seines klax. max.-Modells in klax.max.Flex und startete ein neues zeitunabhängiges Tarifmodell, klax.max.Fix. Ausgenommen von diesen Tarifmodellen ist klax.max.Herziline. Für einen fixen Gesprächspartner gilt hier ähnlich wie für Vertragskunden (siehe unten) der „netzinterne Schilling“.

Der dritte Mobiltelefonbetreiber, Connect, änderte sein Produkt „TAKE ONE“, in Form einer Verringerung der Gesprächstarife in andere Mobilnetzes im März 1999 von ATS 10,00 (Cent 72,67) auf ATS 8,00 (Cent 58,14) in der Geschäftszeit bzw. von ATS 4,00 (Cent 29,07) auf ATS 3,00 (Cent 21,80) in der Freizeit. Der von Connect eingeführte „netzinterne Prepaid-Schilling“ wurde im November 1999 wieder aus dem Programm genommen.

tele.ring kam mit dem Produkt „tele.ring twist“ auf den Markt (für Preisentwicklungen ausgewählter Privatkundenprodukte vgl. Abb. 37). Im Bereich Prepaid existieren mittlerweile neben der üblichen Geschäftszeit-Freizeit-Einteilung weitere zeitliche Tarifunterschiede. So bieten A1 und max.mobil. zusätzlich einen Superfreizeittarif, One bietet seinen Kunden eine frei wählbare Freizeit, tele.ring offeriert schließlich ein gänzlich kostenloses, jedoch fixes Zeitfenster15.

Als Innovation im Segment Prepaid wurde seitens der Betreiber die Möglichkeit geschaffen, mittels Wertkartentelefonen auch im Ausland mobil zu telefonieren. Die Bezahlung erfolgt diesfalls entweder mittels Kreditkarte, über Einzugsermächtigungen oder direkt aus Guthaben („Klaxistan“).

Die Abbildungen auf den folgenden Seiten illustrieren die Entwicklung der Mobiltelefontarife im Zeitverlauf. Um die Vergleichbarkeit der Angebote zu gewährleisten, wurden jene Tarifoptionen der Betreiber herangezogen, welche gleiche oder ähnliche Grundentgelte aufweisen.

Die Höhe des Grundentgelts für die dem Vergleich zugrunde gelegten Tarifpakete variierte zwischen ATS 199,00 (€ 14,46) und ATS 300,00 (€ 21,80).

  • Tarife für Gespräche im eigenen Netz: Die Tarife für Gespräche im eigenen Netz blieben während der Berichtsperiode bei Connect und max.mobil. unverändert bei ATS 1,00 (Cent 7,27). Die Mobilkom hingegen senkte ihre Tarife im April 1999 von ATS 1,90 (Cent 13,81) auf ATS 1,00 (Cent 7,27), wohingegen der Friends-Tarif unverändert bei ATS 0,90 (Cent 6,54) blieb. Ebenso übernahmen auch die beiden zuletzt in den Markt eingetretenen Betreiber die Politik des „netzinternen Schillings“ (siehe Abb. 38).
 

 

  • Tarife für Gespräche in andere Mobilnetze: Mit Ausnahme von tele.ring, die, wie oben erwähnt, bereits mit einer entsprechenden Niedrigpreisstrategie in den Markt eintrat, änderten alle Betreiber ihre Tarife für Gespräche in andere Mobilnetze, jedoch blieben diese Preissenkungen in der Berichtsperiode im Vergleich zu anderen Destinationen eher moderat. Der Grund dafür liegt wohl nicht zuletzt in den wechselseitigen Terminierungsmonopolen, die den einzelnen Betreibern ein hohes Quersubventionierungspotenzial bieten (insbesondere auch zur Finanzierung der Preispolitik des „netzinternen Schillings“).

    Mobilkom A1 reduzierte ihre Geschäftszeit- Tarife im April von ATS 7,15 (Cent 51,96) auf ATS 4,90 (Cent 35,61). Connect ließ ihre Freizeit-Tarife in der Berichtsperiode im wesentlichen konstant, wie max.mobil. (Verringerung von ATS 3,33 [Cent 24,20] auf ATS 3,30 [Cent 23,98]), wohingegen Mobilkom ihre Freizeit-Tarife in dem betrachteten Produktsegment als einziges Unternehmen von ATS 1,95 (Cent 14,17) auf ATS 3,90 (Cent 28,34) erhöhte.
  • Tarife für Gespräche in Festnetze: max.mobil. senkte die Tarife im März 1999, Mobilkom kurz darauf im April 1999, wobei max.mobil. die günstigeren Gesprächsentgelte in der Geschäftszeit aufweist. Connect senkte die Tarife im September 2000 sowohl für die Freizeit als auch die Geschäftszeit einheitlich auf ATS 2,00 (Cent 14,53). tele.ring ließ die Tarife für Gespräche ins Festnetz hingegen unverändert.
  • Schließlich werden in Abb. 41 in verdichteter Form (arithmetisches Mittel) alle oben besprochenen Destinationen (eigenes Netz, andere Mobilnetze, Festnetz) als Durchschnittspreise dargestellt. Aus dieser Grafik gehen zumindest zwei interessante Aspekte hervor: erstens die generelle Preisabsenkung im zugrunde gelegten Beobachtungszeitraum und zweitens die dahinter stehenden ursächlichen Markteintritte von Connect (Oktober 1998) und tele.ring (Mai 2000).

Der österreichische Mobilfunkmarkt ist strukturell durch eine geringe Anzahl von Anbietern charakterisiert, was eine hohe Reaktionsverbundenheit nahe legt. Die in der Vergangenheit beobachteten Preissenkungen (auf dem Endkundenmarkt) sind in erster Linie auf die expansive Entwicklung des Marktes zurückzuführen.

In dieser Phase führten insbesondere die Neueintritte von Connect und tele.ring zu einer substanziellen Intensivierung des (Preis-)Wettbewerbs. Diese Beobachtungen aus der Vergangenheit können allerdings nicht linear in die Zukunft extrapoliert werden.

Die erreichte Sättigung des Marktes, die vorgenommenen Quersubventionierungen in den Tarifen bzw. die damit verbundenen Kundenbindungsstrategien und die ungewisse Entwicklung in der Struktur des GSM-Marktes erfordern auch zukünftig besondere regulatorische Aufmerksamkeit.

Tariffs for calls to the fixed network

Comparison of price baskets - basic charges used as basis

15 Dies gilt allerdings nur für Anrufe ins eigene Netz und bei monatlichem Aufladen von mindestens ATS 300,– (€ 21,80).
 
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