"Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Drum nahm ich meinen Stock und Hut und thät das Reisen wählen." (Matthias Claudius (1740 – 1815), Urians Reise um die Welt (1786))
Sehr geehrte Damen und Herren,
wenn ich diese Zeilen schreibe, ist gerade die BEREC-Mini Board Studienreise, an der ich als Vice Cair 2026 teilnehmen durfte und die dieses Mal nach Japan ging, zu Ende. Aber nicht nur diese Reise, sondern eine ganze Reihe weiterer internationaler Destinationen, wie Saudi-Arabien, Brasilien und eben Japan sowie – nicht zu vergessen – Liechtenstein, durfte ich in den letzten beiden Monaten im Rahmen meiner Aufgaben als Telekom- und Postregulierer besuchen und einige richtig gute und interessante Learnings mitnehmen. Mehr davon in meinem Reisebericht weiter hinten mit dem Titel "Drei Kontinente – drei Perspektiven auf die digitale Zukunft". So viel aber vorweg: Europa muss sich sehr, sehr anstrengen, um im Bereich Digitales und KI in allen Bereichen, nicht nur in den von uns direkt regulierten Sektoren, den Anschluss nicht zu verlieren. Neben den USA entwickeln sich in den BRICS-Staaten und im Nahen Osten mit schneller Geschwindigkeit ernst zu nehmende Player im globalen digitalen Wettbewerb. Und da spielen Netzwerke und digitale Infrastruktur generell eine, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle. Mit dem Bau von Giga-Data-Factories ist es da nicht getan. Vielmehr stehen beharrlich exekutierte mittel- und langfristige Strategien dahinter, die konsequent in allen wesentlichen Bereichen wie Industrie, Infrastruktur, Bildung, Gesundheit usw. herunterdekliniert und planhaft umgesetzt werden. Wir sollten das in Europa, aber vor allem auch in unserem Land ernst nehmen, sonst sehen uns diese Länder im globalen Wettrennen bald im Rückspiegel.
Ein wichtiger Faktor in diesem Zusammenhang ist der richtige Einsatz der begrenzten Ressource Frequenzen. Zu diesem Zweck wurde von BMWKMS gemeinsam mit der RTR eine Konsultation zum künftigen Frequenznutzungsplan eingeleitet. Stefan Felder informiert darüber kurz zur aktuellen Konsultation. Wir hoffen, zukunftsfähige Ideen teilen und mit dem Markt diskutieren zu können und am Ende mit klaren und zeitgemäßen Regelungen für eine effiziente Frequenznutzung eine wesentliche Grundlage in einer zusehends mobil werdenden Datenökonomie zu schaffen.
Datenökonomie ist das richtige Stichwort, wenn das Thema Künstliche Intelligenz, das seit längerem in aller Munde ist und mittlerweile beinahe alle Lebensbereiche betrifft, zur Sprache kommt. Ein Thema, das uns hier in der RTR natürlich in vielerlei Hinsicht beschäftigt.
Mit der Fachtagung der KI-Servicestelle zu Künstlicher Intelligenz, kommunaler Resilienz und Cybersicherheit haben wir uns, ähnlich wie im letzten Jahr, gemeinsam mit dem Städtebund und dem VÖWG/VKÖ mit den neuen rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung, mit der Reduktion digitaler Abhängigkeiten und den Anforderungen an die Cybersicherheit von Städten, Gemeinden und kommunalen Unternehmen befasst. Dabei standen auch wieder aktuelle Used Cases aus der Praxis im Mittelpunkt dieser Fachtagung, zu der wir als KI-Servicestelle (Fachbereich Telekommunikation und Post) am 19. Oktober in die RTR einladen durften. Veranstaltungen wie diese sind wichtig, weil sie dazu beitragen, durch sachliche Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken von KI zu einer besseren Einschätzung zu kommen und das Verständnis für den richtigen Einsatz von KI zu fördern. Näheres dazu gleich im Anschluss von Thomas Schreiber, der auch maßgeblich zum Erfolg der Veranstaltung beigetragen hat.
KI ohne Daten geht nicht! Gerade der Data Act soll einen Beitrag dafür leisten, die Nutzung von Daten innerhalb eines durch die europäische Regulierung ermöglichten digitalen Ökosystems zu verbessern und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Was der Data Act genau ist und was er ermöglichen soll, können Sie ab jetzt in dem von uns bereitgestellten Chat Bot zum Data Act erfahren. Stefan Teufel wird über dieses Angebot, und was Sie dabei erwartet, in seinem nachfolgenden Artikel weiter ausführen. Neben diesen Beiträgen dürfen wir Ihnen auch noch die neuesten Infos aus Brüssel und vom DNA sowie vom CSA2 berichten. Beide Themen sind von ungeheurer Relevanz für die Zukunft der Telekombranche. Aber auch die Diskussionen rund um den kommenden Delivery Act für Postdienste, bei denen der aktuelle Universaldienst am Prüfstand steht, sollen erwähnt werden. Auch in eigener Sache gibt es da zu berichten, aber lesen Sie selbst. Ich darf an dieser Stelle eine spannende Lektüre wünschen und freue mich, auch in Zukunft über einen guten gemeinsamen Austausch!
Klaus M. Steinmaurer
Tokio am 31.10.2026