Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema, das viele Menschen, Unternehmen und Institutionen beschäftigt. Unternehmen in den beiden Sektoren der Telekommunikation und Postdienste versuchen jetzt schon die Auswirkungen ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit möglichst zu reduzieren. Sie wollen sogar einen positiven Beitrag zur Ökobilanz anderer Sektoren liefern.
Gleichzeitig finden zahlreiche Initiativen auf europäischer Ebene statt, um das Thema Nachhaltigkeit voranzutreiben. Dazu gehören etwa der
Als RTR.Telekom.Post bringen wir uns aktiv in europäische Diskussionen zum Thema Nachhaltigkeit ein. Wir versuchen die Bestrebungen für mehr Nachhaltigkeit in den von uns regulierten Sektoren zu begleiten.
Seit 2019 beschäftigen sich europäische Telekommunikationsregulierungsbehörden in BEREC mit Nachhaltigkeit im digitalen Bereich. Die BEREC Arbeitsgruppe zu Nachhaltigkeit, in der die RTR.Telekom.Post vertreten ist, hat 2020 zunächst einen Workshop zu Nachhaltigkeit im digitalen Sektor organisiert und aufbauend darauf 2021 eine externe Studie zu Nachhaltigkeit in Auftrag gegeben.
Parallel dazu begann BEREC einen eigenen Bericht zum Thema Nachhaltigkeit zu verfassen. Dieser Bericht basiert auf den Arbeiten einzelner nationaler Regulierungsbehörden, den Erkenntnissen aus der externen Studie und einer Workshop-Serie mit Expert:innen aus Wissenschaft, Regulierung, internationalen Gremien und Industrie. BEREC identifizierte hier einige Faktoren, wie digitale Infrastrukturen die Umwelt beeinflussen. Wichtig ist dabei, dass sich die Faktoren in unterschiedlichen Phasen des Lebenszyklus von digitalen Infrastrukturen unterscheiden können. Ein großes Hindernis ist jedenfalls der Mangel an standardisierten Erhebungskriterien bzw. -methoden, wodurch die von Unternehmen selbst gesammelten Zahlen schwer vergleichbar sind.
Um spezifisch das Thema der Vergleichbarkeit näher zu beleuchten, begann BEREC sich mit Indikatoren im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Ein 2023 veröffentlichter Bericht analysiert die Ergebnisse einer breiten Umfrage zu den verwendeten Indikatoren und Standards im digitalen Bereich. Er gibt auch einen Überblick zu jenen Indikatoren, welche von manchen europäischen Regulierungsbehörden bereits erhoben werden. Als nächstes hat BEREC Informationen zu Nachhaltigkeit und Telekommunikation für Endkund:innen (2024) aufbereitet.
Zudem befasste sich die Arbeitsgruppe in einem Workshop mit der konkreten Erhebung von Nachhaltigkeitsindikatoren durch Regulierungsbehörden.
Im Jahr 2025 untersuchte die Arbeitsgruppe in einem Bericht zur gemeinsamen Nutzung von Infrastrukturen als Hebel für ökologische Nachhaltigkeit (Infrastructure Sharing), wie die gemeinsame Nutzung passiver (wie Masten und Kabelkanäle) und aktiver Netzelemente (wie Antennen und Sendeanlagen) den ökologischen Fußabdruck – etwa Materialverbrauch oder Energiebedarf – deutlich minimieren kann. Zwei externe Workshops widmeten sich zudem dem Ökodesign digitaler Dienste sowie dem ökologischen Fußabdruck von Satellitenkonstellationen über deren gesamten Lebenszyklus. Parallel dazu unterstützte BEREC die Europäische Kommission aktiv bei der Ausarbeitung eines EU-Verhaltenskodex für nachhaltige Telekommunikationsnetze, der einheitliche Kriterien zur transparenten Messung und Senkung des ökologischen Fußabdrucks etablieren soll.
2026 konzentriert sich die Arbeitsgruppe auf drei zentrale Säulen: die Vorbereitung einer standardisierten Umweltdatenerhebung bei Marktteilnehmern mittels eines einheitlichen Fragebogens, die Finalisierung eines Berichts über die ökologischen Auswirkungen von KI im Telekomsektor sowie die Organisation eines Workshops zur "digitalen Suffizienz", bei dem Fragen zu Geräte-Lebensdauer und Datenminimierung im Fokus stehen.
Im Bereich Post wurde 2021 ein erster auf den Postsektor veröffentlicht. Darin zeigte sich ähnlich wie im Telekom-Bereich, dass die meisten Regulierungsbehörden keinen rechtlich verankerten Auftrag haben, Nachhaltigkeitsaspekte in ihrer regulatorischen Arbeit aufzunehmen. Allerdings können die Ziele des Green Deals dadurch unterstützt werden, dass Regulierungsbehörden Nachhaltigkeit thematisieren und die von Unternehmen gesetzten Maßnahmen unterstützen.
Mit dem darauffolgenden ERGP-Bericht zu Nachhaltigkeit im Postsektor (2022) wurde auch hier der Mangel an harmonisierten Indikatoren als großes Hindernis identifiziert. Der ERGP-Bericht über bewährte Praktiken zur ökologischen Nachhaltigkeit im Postsektor (2023) führte diese Arbeit fort und analysierte konkrete grüne Initiativen entlang der gesamten postalischen Wertschöpfungskette – von der Abholung über die Sortierung bis hin zur Zustellung. Der Bericht hebt die Schlüsselrolle der Regulierungsbehörden bei der Förderung von Transparenz und der Schärfung des Nutzerbewusstseins hervor und definiert erstmals Kriterien für erfolgreiche Nachhaltigkeitspraktiken im Sektor.
Mit dem ERGP-Bericht über regulatorische Möglichkeiten zur Unterstützung ökologischer Nachhaltigkeit (2024) rückten die rechtlichen und regulatorischen Instrumente in den Fokus. Die Analyse zeigt, dass zwar rund ein Drittel der Mitgliedstaaten bereits spezifische Nachhaltigkeitsregeln im Postbereich verankert hat, der Großteil jedoch weiterhin auf allgemeine, branchenübergreifende Gesetze setzt. Der Bericht diskutiert daher legislative Vorschläge zur Überarbeitung der europäischen Postdiensterichtlinie, um harmonisierte Vorgaben für Datenerhebung und Transparenz zu schaffen.
Der aktuellste ERGP-Bericht über technologische Veränderungen und umweltfreundliche Lösungen (2025) widmet sich der "Twin Transition" – der engen Verknüpfung von digitaler Innovation und grünem Wandel. Im Mittelpunkt stehen Technologien wie künstliche Intelligenz (KI), Datenanalyse, Prozessautomatisierung und Paketstationen. Der Bericht legt dar, dass diese technologische Innovationen sich einerseits positiv auch auf die ökologische Nachhaltigkeit auswirken, aber nicht automatisch umweltschonend sind (etwa durch steigenden Energiebedarf).