Algorithmen und Empfehlungssysteme spielen auf vielen Online-Plattformen eine zentrale Rolle. Dabei handelt es sich um Computerprogramme, die anhand des Nutzerverhaltens entscheiden, welche Inhalte als Nächstes angezeigt werden. Ziel ist es, möglichst passende und interessante Beiträge vorzuschlagen. Das kann zwar praktisch sein, führt aber oft dazu, dass man länger online bleibt, als ursprünglich geplant.
Algorithmen analysieren dafür zum Beispiel, welche Videos man ansieht, wie lange man bei bestimmten Inhalten verweilt, was man liked oder wonach man sucht. Auf dieser Basis werden neue Inhalte ausgewählt, die möglichst gut zu den eigenen Vorlieben passen. Dadurch entsteht schnell das Gefühl eines „perfekt“ zugeschnittenen Feeds, der zum Weiterscrollen verleitet.
Diese Algorithmen sind besonders riskant
Algorithmen sind gar nicht so kompliziert, wie sie klingen © Eigene Darstellung I RTR
Besonders wirkungsvoll sind dabei sogenannte unvorhersehbare Belohnungen: Man weiß nie, wann der nächste besonders lustige oder spannende Beitrag erscheint, was das Gehirn dazu anregen kann, immer weiterzuschauen. Hinzu kommen kurze, emotional ansprechende Inhalte, wie Kurzvideos („Sticky Content“), bei denen man sich leicht einredet, nur noch ein weiteres anzusehen, ohne den Zeitverlust zu bemerken. Viele Plattformen verstärken diesen Effekt zusätzlich durch ihr Design, etwa durch endloses Scrollen ohne Klick, Push-Benachrichtigungen über neue Aktivitäten oder personalisierte „Für dich“-Seiten. Diese Funktionen sind nicht grundsätzlich negativ, können aber dazu führen, dass Nutzungszeiten unbewusst anwachsen.
Für Jugendliche kann dies besonders herausfordernd sein, da sich ihr Gehirn noch in der Entwicklung befindet. Bereiche, die für Planung, Selbstkontrolle und Impulssteuerung zuständig sind, sind noch nicht vollständig ausgereift. Gleichzeitig reagieren junge Menschen häufig stärker auf schnelle Erfolgserlebnisse, wie Likes oder neue Nachrichten. Dadurch fällt es mitunter schwerer, rechtzeitig aufzuhören, sich nicht ablenken zu lassen oder bewusst Pausen einzulegen. Eine sehr intensive Nutzung sozialer Plattformen kann Risiken mit sich bringen, etwa Schlafmangel, Konzentrationsprobleme, Stress, negative Stimmung, ständiges Vergleichen mit anderen oder sogenanntes „Doomscrolling“, also das fortlaufende Konsumieren negativer Nachrichten; im Extremfall kann sich auch ein Gefühl von Abhängigkeit entwickeln.
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Was kann helfen? – Gegenmaßnahmen
Der DSA verpflichtet Plattformen, den Schutz von Minderjährigen sicherzustellen © Eigene Darstellung I RTR
Gleichzeitig gibt es einfache Gegenmaßnahmen, um die eigene Nutzung bewusster zu gestalten: Benachrichtigungen können ausgeschaltet oder eingeschränkt, feste Online-Zeiten und Pausen eingeplant sowie Bildschirmzeit-Funktionen genutzt werden. Auch das bewusste Schließen von Apps, Gespräche mit Freund:innen oder Eltern und die regelmäßige Selbstfrage „Möchte ich das gerade wirklich, oder ist es nur Gewohnheit?“ können helfen. Algorithmen sind letztlich Werkzeuge – sie können nützlich sein, doch wichtig ist, zu verstehen, wie sie funktionieren, damit die Kontrolle bei den Nutzerinnen und Nutzern bleibt und nicht bei der App.
Sich mit seinen Freunden online auszutauschen macht Spaß, aber man sollte nicht vergessen, dass es auch ein Leben abseits des Handybildschirms gibt.
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Altersgrenzen und Schutzsysteme