Newsletter RTR Medien

  • Newsletter
    01/2026
  • Datum
    12.03.2026

Teil der demokratischen Infrastruktur: RTR Medien legte Studie zur gesellschaftlichen Wirkung des Nichtkommerziellen Rundfunks vor

Die Untersuchung der Universität Salzburg erkennt die „Aktivierende Reichweite“ der Freien 

V.l. Mag. Dr. Felix Kramer und Univ.-Prof. Dr. Josef Trappel (Uni Sbg., KoWi) präsentierten zentrale Ergebnisse. Mag. Wolfgang Struber (GF RTR Medien) ordnete vor dem Hintergrund des Nichtkommerziellen Rundfunkfonds ein. © RTR/AK

Der Nichtkommerzielle Rundfunk in Österreich ist eine eigenständige demokratische Medieninfrastruktur. Mit seinem Angebot an Laien, journalistische Medienproduktionen unter professioneller Anleitung selbst zu gestalten, ist seine gesellschaftliche Bedeutung nach anderen Maßstäben zu beurteilen als die Programmangebote der öffentlich rechtlichen und privaten Medien. Zu diesem Schluss kommt die qualitative Studie „Nichtkommerzielle Rundfunkveranstalter: Was sie tun und was sie leisten“, die die Universität Salzburg im Auftrag des Fachbereichs Medien der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR Medien) erstellt hat. Am 5. März wurde die Untersuchung bei der RTR Medien vorgestellt.

Wolfgang Struber bei der Begrüßung
Begrüßungsworte von Mag. Wolfgang Struber © RTR/AK

„Der Nichtkommerzielle Rundfunk erfüllt eine breitere gesellschaftliche Rolle – als demokratische Infrastruktur, die den Menschen Beteiligung, Medienkompetenz und mediale Öffentlichkeit unter Vermittlung journalistischer Grundwerte ermöglicht“, sagte RTR Medien-Geschäftsführer Wolfgang Struber anlässlich der Studienpräsentation. „Mit dem ‚Nichtkommerziellen Rundfunkfonds‘ fördern wir diese Einrichtungen. Auch die Bundesländer unterstützen freie Radios und Fernsehsender. Aber oft werden diese Förderungen auch unter Hinweis auf geringe Nutzungszahlen der Programme diskutiert, in einem Fall vor einigen Monaten sogar eingestellt. Wir haben den Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg daher gebeten, die Arbeit der Nichtkommerziellen objektiv zu beleuchten, um deren Leistungsspektrum besser verständlich zu machen“, so Struber.

Ein anderer Reichweitenbegriff: Aktivierung statt bloßer Kontakt

Mit dem Begriff ‚Aktivierende Reichweite‘ prägt die Studie ein anderes Verständnis für das Angebot des Nichtkommerziellen Rundfunks, der nicht allein auf die passive Nutzung von Medienberichten abzielt. Stattdessen wird es den Menschen ermöglicht, selbst über Ereignisse zu berichten, die sie in ihrem Umfeld bewegen und die oftmals keinen Niederschlag in anderen Medienangeboten finden.

Porträt MMag.a Manuela Grünangerl
MMAg.a Manuela Grünangerl, KoWi Uni Salzburg © Uni Salzburg KoWi

Die Studienautorin MMag.a Manuela Grünangerl dazu: „Unsere Studie zeigt, dass die Reichweite der Nichtkommerziellen nicht primär an Einschaltquoten oder Klickzahlen gemessen werden kann, sondern an deren Aktivierungspotenzial. Sie befähigen Menschen, selbst Öffentlichkeit herzustellen, Kompetenzen aufzubauen und dauerhaft an demokratischen Kommunikationsprozessen teilzuhaben. Aktivierende Reichweite ist damit kein Nebenprodukt, sondern das Strukturprinzip einer partizipativen Medienpraxis.“  

Prof. Josef Trappel im Vortrag auf der Bühne
Univ.-Prof. Dr. Josef Trappel © RTR/AK

Für Univ.-Prof. Dr. Josef Trappel, Leiter des Fachbereichs Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg, unterstreicht die Studie vor allem die demokratiepolitische Funktion des Sektors: „Der Nichtkommerzielle Rundfunk ist eine demokratische Basisinfrastruktur, die Teilhabe, Selbstermächtigung und zivilgesellschaftliche Öffentlichkeit strukturell ermöglicht. Die Leistungen gehen über die Herstellung von Inhalten weit hinaus.“

Demnach entwickeln die Beteiligten damit Fähigkeiten, die auch nachhaltig in berufliche, pädagogische oder zivilgesellschaftliche Kontexte weiterwirken.

Einordnung für Medienpolitik und Förderung

Die Autor:innen kommen zu dem Schluss, dass eine Bewertung des Nichtkommerziellen Rundfunks sich nicht auf klassische Reichweitenkennzahlen beschränken dürfe. Entscheidend seien seine demokratiepolitischen, bildungsbezogenen und infrastrukturellen Leistungen. Der Nichtkommerzielle Rundfunk sei als ein Bereich zu verstehen, in dem Öffentlichkeit, Teilhabe und mediale Selbstermächtigung strukturell ermöglicht werden. Nicht nur das Verständnis für die Entstehung von Medieninhalten und die Teilnahme am demokratiepolitischen Diskurs würden gefördert, sondern auch eine kritische Beurteilung algorithmisch gesteuerter Medienangebote könne gestärkt und einem zunehmenden Vertrauensverlust in herkömmliche Medien entgegengewirkt werden.

Im Anschluss an die Präsentation entwickelte sich eine lebhafte Diskussion zwischen den Wissenschaftlern, Vertreter:innen der freien Medien, dem weiteren Publikum und anwesenden Journalist:innen.

Titelseite der Studie zum Nichtkommerziellen Rundfunk
Titelseite der Studie zum Nichtkommerziellen Rundfunk © RTR/stock.adobe.com/cibus

Für die qualitativ-empirische Studie führten die Studienautor:innen Interviews mit fünfzehn leitenden Vertreter:innen von sieben nichtkommerziellen Radio- und TV-Sendern sowie der Archiv-Plattform CBA.

Die Studie „Nichtkommerzielle Rundfunkveranstalter: Was sie tun und was sie leisten“ ist auf der Website der RTR veröffentlicht: https://www.rtr.at/Studie_NKRF



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