Im Rahmen einer Fachveranstaltung diskutierten Expert:innen über den Stand des Ausbaus barrierefreier Medienangebote. Zudem wurden der neue Statusbericht zur Barrierefreiheit präsentiert und ein Ausblick auf den Ende Juni erscheinenden Barrierefreiheitsbericht der KommAustria gegeben.
Seit 2021 sind Anbieter audiovisueller Mediendienste gesetzlich verpflichtet, den barrierefreien Anteil ihrer Programme schrittweise auszubauen. Fünf Jahre nach Inkrafttreten dieser Verpflichtung luden KommAustria und RTR Medien am 18. Juni 2026 zur Veranstaltung „5 Jahre verpflichtender Ausbau barrierefreier Medienangebote: Schon eine Selbstverständlichkeit?“ ein, um gemeinsam mit Vertreter:innen aus Medien, Interessenvertretungen und Regulierung Bilanz zu ziehen sowie aktuelle Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen zu diskutieren.
Nach den Begrüßungsworten von Mag. Michael Ogris, Vorsitzender der KommAustria, stellte Mag. Conni Holsten, Direktorin Bremische Landesmedienanstalt und Themenbeauftragte der deutschen Medienanstalten für Barrierefreiheit und Diversity, die Entwicklungen aus 13 Jahren Zusammenarbeit mit Medien und Verbänden in Deutschland vor. Dabei hob sie hervor, dass barrierefreie Medienangebote angesichts des demografischen Wandels und einer zunehmend vielfältigen Gesellschaft weit über einzelne Zielgruppen hinaus an Bedeutung gewännen.
Im Anschluss wurde der „Statusbericht zur Barrierefreiheit in audiovisuellen Medien“ präsentiert. Er wurde von der Servicestelle Barrierefreiheit der RTR Medien gemeinsam mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich (BSVÖ), dem Österreichischen Gehörlosenbund (ÖGLB) und Jugend am Werk erarbeitet, die vorhandene Angebote zur Barrierefreiheit in Medien einem Praxistest unterzogen. Damit bietet der Bericht Einblicke in die Perspektive jener Menschen, an die sich die Angebote primär richten und ergänzt damit den jährlichen Barrierefreiheitsbericht der KommAustria um einen weiteren Blickwinkel.
Diese Entwicklungen wurden auch in den weiteren Vorträgen und der anschließenden Podiumsdiskussion aufgegriffen. Lukas Huber, Generalsekretär des Österreichischen Gehörlosenbundes, berichtete über die Fortschritte der vergangenen Jahre, machte aber auch auf bestehende Hürden aufmerksam.
Robert Ziegler, Leiter Barrierefreiheit und Inklusion beim ORF, präsentierte anhand konkreter Beispiele den Ausbau barrierefreier Angebote im ORF. Gleichzeitig verdeutlichte er, dass neue Technologien wie Künstliche Intelligenz künftig zwar einen wichtigen Beitrag leisten könnten, menschliche Kontrolle jedoch weiterhin unverzichtbar bliebe.
Dipl.Kffr. Corinna Drumm, Geschäftsführerin des VÖP, betonte die Fortschritte und das hohe Verantwortungsbewusstsein der privaten Medienunternehmen, verwies jedoch auch auf wirtschaftliche Herausforderungen und sprach sich für eine engere Zusammenarbeit mit dem ORF aus. Martin Ladstätter MA, Vizepräsident des Österreichischen Behindertenrates, hob die positive Entwicklung barrierefreier Medienangebote hervor und verwies gleichzeitig auf Verbesserungsbedarf hinsichtlich Auffindbarkeit, Bedienbarkeit und Qualität.
In der abschließenden Diskussion verdeutlichten die Teilnehmer:innen die Chancen und Grenzen neuer Technologien. Dabei wurde insbesondere das Potenzial Künstlicher Intelligenz für den weiteren Ausbau barrierefreier Medienangebote hervorgehoben. Gleichzeitig bestand Einigkeit darüber, dass auch künftig menschliche Expertise erforderlich sein wird, um qualitativ hochwertige barrierefreie Inhalte sicherzustellen.
Mag. Michael Ogris betonte abschließend, dass die gesetzlichen Verpflichtungen lediglich einen Teil jener Maßnahmen abbilden, die für eine umfassende Barrierefreiheit sinnvoll sind.
Der „Statusbericht zur Barrierefreiheit in audiovisuellen Medien“ steht auf der Website der RTR zum Download bereit.
Inzwischen ist auch der jährlich erscheinende Barrierefreiheitsbericht der KommAustria als Teil des Kommunikationsberichts von RTR, KommAustria, TKK und PCK auf der Website der RTR veröffentlicht und wird demnächst auch als separate Publikation zur Verfügung stehen.
Der Bericht, der von den RTR Medien erstellt wird, basiert auf den von den Mediendiensteanbietern übermittelten Aktionsplänen und Jahresberichten und dokumentiert den Stand der Umsetzung der gesetzlichen Verpflichtungen zur Barrierefreiheit.
Für das Berichtsjahr 2025 wurden die Jahresberichte von 19 Mediendiensteanbietern ausgewertet. Sie zeigen unter anderem, dass Untertitel weiterhin die am häufigsten umgesetzte Maßnahme zur Verbesserung der Barrierefreiheit darstellen und zunehmend neue technologische Lösungen eingesetzt werden, um audiovisuelle Inhalte noch besser zugänglich zu machen.