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Very High Capacity Networks (VHCN)

Unter dem Begriff VHCN (Very High Capacity Networks bzw. Netze mit sehr hoher Kapazität) werden feste Breitbandnetze verstanden, bei denen die Glasfaser zumindest bis zum Gebäude reicht (FTTB/H) sowie drahtlose Netze, bei denen die Glasfaser bis zur Basisstation reicht. Weiters sind auch Netze davon umfasst, die zu üblichen Spitzenlastzeiten eine den zuvor erwähnten Netzen ähnliche Leistung erbringen können. 

Der Begriff VHCN ist im European Electronic Communications Code (EECC) in Artikel 2 Abs 2 definiert, im TKG 2021in § 4 Abs 2. Weiters hat BEREC basierend auf Art 82 EECC im Oktober 2020 Richtlinien zu den Kriterien, die ein Netz erfüllen muss, um als VHCN zu gelten, veröffentlicht.

Der weitere Ausbau von Glasfaser hin zu Endkundinnen und Endkunden ist von hoher gesamtwirtschaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung. Die Förderung des Zugangs zu VHCN ist daher sowohl im EECC (Artikel 1 Abs 2) als auch im TKG 2021 (§ 1 Abs 2) als eines der wesentlichen Ziele verankert.

Diese Seite gibt einen Überblick über die wichtigsten Tätigkeiten der RTR zum Thema VHCN.


Unterstützung des Breitbandausbaus

Die in der Breitbandstrategie 2030 formulierte Vision für den heimischen Breitbandausbau sieht bis 2030 eine flächendeckende Versorgung mit symmetrischen Gigabit-fähigen Zugangsnetzen vor. Auf Basis eines engmaschigen Glasfasernetzes in Verbindung mit einer universell verfügbaren mobilen Versorgung sollen jeder Bürgerin und jedem Bürger, jedem Unternehmen und allen öffentlichen Einrichtungen ermöglicht werden, die Chancen und technischen Möglichkeiten der Digitalisierung überall im Land zu gleichen Bedingungen zu nutzen.

Der Maßnahmenplan zum Ausbau derartiger VHCN-Hochleistungsnetze sieht Aktivitäten in vier Themengebieten – nämlich (1) strategische Maßnahmen, (2) legistische Maßnahmen, (3) Förderungsmaßnahmen und (4) Begleitmaßnahmen - vor, in denen die RTR im Rahmen ihrer Zuständigkeiten die Zielerreichung unterstützt. Unter anderem zählt hierzu die von BMLRT, FFG und RTR koordinierte Plattform Internetinfrastruktur Austria 2030 (PIA 2030), die sich in mehreren Arbeitsgruppen gemeinsam mit Ländern, Gemeinden, Wirtschaftskammer und Telekom-Unternehmen den drängendsten Fragen des Breitbandausbaus in Österreich widmet.


Vereinheitlichung der Schnittstellen zu Open Access Netzen

Die Vereinheitlichung der Zugangsbedingungen und Schnittstellen zu Open Access Glasfasernetzen ist eine strategische Maßnahme der Breitbandstrategie 2030. Der Zugang zu Open Access Netzen soll dadurch erleichtert und die Nutzung und Verbreitung der Open Access Netze gefördert werden. Die Breitbandstrategie 2030 sieht vor, dass das BMLRT gemeinsam mit der RTR und Infrastruktur- und Diensteanbietern Lösungsvorschläge ausarbeitet.

Im Rahmen von PIA 2030 fand am 16. Juni 2021 ein Open Access Industrieworkshop statt, bei dem die vom BMLRT beauftragte Studie „Open Access Netze für Österreich“ von WIK-Consult präsentiert und mit der Branche diskutiert wurde.

In Österreich gibt es bereits mehrere Aktivitäten im Bereich Vereinheitlichung der Schnittstellen zu Open Access Netzen. Die Open Fiber Austria Association (OFAA) bietet seit 2021 eine so genannte Open Access Identification (ID) an. Dies ist eine österreichweit eindeutige Zugangspunkt-Nummer für Glasfaseranschlüsse, die wesentlich zur Vereinfachung des Zugangs zu Open Access Netzen beitragen soll. Der VAT veröffentlichte im September 2021 die „Technische Spezifikation zur Standardisierung von österreichischen Open Access Netzwerken mittels Layer-2 Ethernet Service“, die offen ist für eine Abstimmung mit weiteren Marktteilnehmern, sodass sich noch Änderungen ergeben können.


Infrastrukturnutzung

Ein weiterer wesentlicher Faktor für den forcierten Ausbau von VHCN-Infrastruktur ist die im 7. Abschnitt TKG 2021 normierte Möglichkeit der Inanspruchnahme von Leitungsrechten, Standortrechten sowie der Mitbenutzung bestehender Infrastruktur.  Der RTR kommt hierbei insofern eine tragende Rolle zu, als die Zuständigkeit für diese Verfahren seit der TKG-Novelle 2021 bei der RTR liegt.


ZIS, ZIB und Breitbandatlas

Der Ausbau breitbandiger Infrastruktur erfordert eine solide Datenbasis, auf Grundlage derer der Roll-Out vorangetrieben und die Fortschritte messbar gemacht werden können. Die RTR stellt mit der zentralen Stelle für Infrastrukturdaten (ZIS) sowie mit der geografischen Erhebung zur Breitbandversorgung (ZIB) zwei wesentliche Portale zur Unterstützung des Breitbandausbaus in Österreich zur Verfügung. Darüber hinaus unterstützt die RTR das BMLRT bei der laufenden Aktualisierung der Datengrundlage für den Breitbandatlas.


Connectivity Toolbox

Auch auf europäischer Ebene gibt es eine Reihe von Initiativen, die sich den Ausbau breitbandiger VHCN-Infrastruktur zum Ziel gesetzt haben. Ein aktuelles Beispiel ist die sog. Connectivity Toolbox, die einen zwischen Europäischer Kommission und Mitgliedsstaaten abgestimmten Maßnahmenkatalog zur Förderung des Breitbandausbaus in der Europäischen Union darstellt. Die RTR war neben dem BMLRT in unterstützender Rolle bei der Erarbeitung der Toolbox ebenso involviert wie bei der nunmehrigen nationalen Umsetzung der Maßnahmen sowie der Erstellung der erforderlichen Fortschrittsberichte für die Europäische Kommission.


Wettbewerbsregulierung

Auch bei den Marktanalysen, die in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden, sind Investitionsanreize in VHCNs zu berücksichtigen. Investitionen können auch durch Ko-Investitionsabkommen (§98 TKG 2021) oder andere Vereinbarungen zur Risikoaufteilung zwischen den Betreibern begünstigt werden. Solche Vereinbarungen wären auch bei der Marktanalyse zu berücksichtigen. Derzeit werden im Rahmen des Verfahrens M 1/20 die Vorleistungsmärkte für lokalen und zentralen Zugang zum Festnetz und für den Zugang von hoher Qualität (Ethernetdienste, unbeschaltete Glasfaser) überprüft.